By: Alexander Faust
Marktchancen
Laut einer Online-Umfrage unter Verbraucherhaushalten planen 15 Prozent aus der Befragungsstichprobe, in den nächsten fünf Jahren eine oder mehrere Maßnahmen zur energetischen Sanierung durchzuführen – das beträfe deutschlandweit hochgerechnet etwa einem konkreten Potenzial von 6,2 Millionen Hauhalten. Bei den Hauhalten mit Wohneigentum sind die Sanierungspläne wie zu erwarten nochmals deutlich häufiger verbreitet, wobei Solarstrom und Wärmedämmung die Pläne dominieren. Einen Nachfrageschub erleben förderfähige Heizungssysteme – kein Wunder, dass die Heizungswirtschaft auf die für Februar angekündigte GEG (bzw. neuerdings „GMG“)-Reform starrt wie das Kaninchen auf die Schlange.
Der Artikel kurz zusammengefasst:
Laut einer Studie der Sirius Campus GmbH wollen ca. 6,2 Millionen Haushalte bis 2030 energetische Sanierungsmaßnahmen durchführen. Bei den darin mit enthaltenen Mieterhaushalten ist die Realisierbarkeit der Pläne allerdings unsicher. Entscheidender sind die Aussagen der ca. 3,3 Millionen Wohneigentümer mit Sanierungsplänen, die v.a. in PV, Dämmung und neue Heizungen investieren möchten. Förderungen bleiben entscheidend für die Modernisierungsmotivation – vor Streichungen bei der GMG-Novelle wird von den Studienautoren daher gewarnt.
Das Marktforschungsunternehmen Sirius Campus GmbH hat im September 2025 eine Stichprobe von 2.236 Wohneigentümer-, Vermieter- und Mieterhaushalten online zu ihrem Modernisierungs- und Sanierungsverhalten bzw. ihren Plänen befragt. Demnach wollen hochgerechnet 6,2 Millionen Haushalte (bzw. 15 Prozent der Befragten) bis 2030 eine oder mehrere Sanierungsmaßnahmen durchführen.
Mieteraussagen in der Studie mit deutlich eingeschränkter Verlässlichkeit
Die Angaben der befragten Mieterhaushalte senken hier freilich den Schnitt und ihre Aussagen sind mit einer größeren Unsicherheit behaftet – so könnten die sanierungswilligen Mieterhaushalte nicht nur einen Rückzieher machen, wie alle Befragten: Dazu kommt die schlichte Tatsache, dass sie über die energetische Gestaltung ihrer gemieteten Wohnung ohne Zustimmung des Vermieters in der Regel nicht viel mitbestimmen können.
Jeder vierte Vermieter – bzw. Eigentümerhaushalt will sanieren
Die befragten privaten Vermieter- und Eigentümerhaushalte können über ihre Immobilien zumindest selbst bestimmen (zumindest, sofern sie sich nicht in einer Eigentümergemeinschaft mit anderen Eignern einigen müssen). Ihre Aussagen sind daher als etwas solider zu bewerten (wobei der Zeitraum von 5 Jahren natürlich genügend Gelegenheit zum bekannten Sanierungs-Symptom Verschieberitis bietet): Hier planen 27 Prozent und damit hochgerechnet 3,3 Millionen (Eigentümer) bzw. 26 Prozent oder 1,5 Millionen (Vermieter) Sanierungen.
Priorisierung: erst PV, dann Wärmedämmung und danach neue Heizung
Vor allem PV-Anlagen zur Stromgewinnung (16 Prozent) werden von den Eigentümern nachgefragt. Am zweitbeliebtesten sind Wärmedämmmaßnahmen mit 12 Prozent und nur 8 Prozent, die eine effizientere Heizung planen(und damit weniger als eine Million, was einer durchschnittlichen Heizungsersetzungsquote von 180.000 Geräten im Jahr bis 2030 entspräche). Von den einstigen 500.000 geforderten neuen Wärmepumpen pro Jahr (erinnern Sie sich noch? Die Ampel) wäre das mit Schützenhilfe aus dem wärmepumpendominierten Neubau großzügig betrachtet gar nicht einmal so weit entfernt. Zumal laut Befragung nur jeder vierte Hausbesitzer mit eigener Heizung weiterhin eine fossile Heizung einbauen lassen möchte – blieben also ca. 135.000 an jährlichem Potenzial für Wärmepumpen, Fernwärmeanschlüsse oder Pelletheizungen.
Motive hinter der Sanierung: Energiekosten, Wertsteigerung und Unabhängigkeitswünsche
Als Vorteile einer energetischen Sanierung gelten geringere Energiekosten (54 Prozent), die Wertsteigerung der Immobilie (47 Prozent), die gewonnene Unabhängigkeit von Energiepreisen (38 Prozent) und der Klimaschutz (32 Prozent).
Prinzip Förderung bleibt wichtiger Motivator für den deutschen Sanierungs-Michel
Laut Studienergebnis haben förderfähige Heizsysteme (in Übereinstimmung mit den gestiegenen Anträgen bei den Behörden) 2025 einen deutlichen Schub erfahren. So berichten 47 Prozent der befragten Haus-Wohneigentümer Sirius Campus von der Installation einer förderfähigen Heizung, d. h. meist einer Wärmepumpe. Dabei steigt das Interesse der Haushalte an energetischen Sanierungen deutlich an, wenn sie Kenntnisse von Förderprogrammen erlangt haben – 2025 war das allerdings nur bei jedem vierten Haushalt der Fall.
Aktuell dürfte die Unsicherheit über die GEG- Pardon: GME-Reform sowohl verhindern, dass sich mehr Haushalte in die Materie einarbeiten (lohnt sich womöglich nicht mehr), als auch im Gegenteil den Run derjenigen Haushalte auf die Anträge befeuern, solange sie womöglich noch gelten. Einig sind sich die Studienautoren schlussendlich mit Wirtschaftsverbänden und Wirtschaftsinstituten: Die womöglich zu befürchtende Aushöhlung der Regeln und Förderungen in einem erneuerten Gebäudemodernisierungsgesetz würde den gerade einmal zaghaft angelaufenen Modernisisierungsmotor direkt wieder abwürgen.
