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Bevölkerungsdaten 2025: schrumpft Deutschland womöglich schneller – und auch sein Arbeitsmarkt?

17 Feb

By: Alexander Faust

Wirtschaft

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Erinnern Sie sich noch an die Nullerjahre? Unter anderem waren sie von Sorgen um die Schrumpfung der Bevölkerung bestimmt. Doch der demografische Wandel hat seit 2010 auf sich warten lassen – zumindest, wenn man nur die Größe der Gesamtbevölkerung betrachtet, die trotz zunehmender Alterung in den letzten Jahren robust blieb: Die richtige Mischung aus Zuwanderung und ausgewogene Sterbefälle und Geburten machten’s möglich. Die Statistik für 2025 zeigt allerdings erstmals seit dem letzten Tief 2020 wieder ein deutliches Defizit von 100.000 weniger Einwohnern auf 83,6 Millionen Personen. Grund war die Kombination aus einem erneut fünfstelliges Geburtendefizit und 40 Prozent weniger Nettozuwanderung. Institute fragen sich, ob damit womöglich eine Trendwende eingeleitet wurde – unerfreuliche wirtschaftliche Folgen und unbequeme Grundsatzfragen inklusive.

 Der Artikel kurz zusammengefasst:

2025 traf ein seit Mitte der Zwanzigerjahre höheres Geburtendefizit auf ein fast halbiertes Wanderungssaldo. Die Effekte des demografischen Wandels (weniger Geburten, mehr Sterbefälle) konnten somit nicht mehr durch Migration ausgeglichen werden. Laut Wirtschaftsinstituten ist das auch ein Effekt der Konjunkturschwäche, die gerade Arbeitsmigration einschränkt- Die demografische Schrumpfung könnte so den Konjunkturaufschwung langfristig dämpfen. Statt Pessimismus sollten aber Wege gefunden werden, die vorhandene Produktivität zu steigern – und gleichzeitig Arbeitskräftemigration attraktiver gemacht werden.   

Warum ist die Bevölkerung 2025 geschrumpft?

Nicht erst seit Kurzem, sondern bereits seit 1990 sterben jedes Jahr mehr Menschen, als neu geboren werden – die Weichen für den demografischen Wandel sind damit gestellt. Zwischen 2011und 2024 ist die Bevölkerung trotzdem jedes Jahr leicht gewachsen (mit Ausnahme von 2020, da im Corona-Lockdown – richtig geraten – die Zuwanderung weitgehend ins Wasser gefallen ist).

Im Jahr 2025 kamen zwei Faktoren zusammen: Zunächst fiel das Geburtendefizit laut vorläufiger behördlicher Schätzung besonders deutlich aus (ca. 340.000 bis 360.000 mehr Personen verstarben 2025 in Deutschland, als Babys in diesem Zeitraum hierzulande neu auf die Welt kamen).

Auf der anderen Seite sank die Nettozuwanderung um ca. 40 Prozent zum Vorjahr – hat sich also zwar nicht ganz, aber fast halbiert: Nur noch 220.000 bis 260.000 Personen kamen mehr ins Land, als 2025 ins Ausland abwanderten. Im Jahr 2024 hatte die Zahl der Zuzügler die der Abwandernden noch um über 430.000 Personen übertroffen und so die Bevölkerungsgröße trotz Sterbeüberschuss noch stabilisiert.

War das ein Ausrutscher – oder wendet sich jetzt das Wachstums-Blatt?

Aufgrund der Bevölkerungsalterung liegt leider nahe, dass unser Faktor Nummer eins (das Geburtendefizit) sich weiter verfestigt. Über 300.000 Personen stark ist dieses Defizit nunmehr seit 2022. In den Zehnerjahren lag es im Schnitt noch bei c. 171.400 Personen.

Der springende Punkt ist also, wie sich Faktor zwei, der demografische Joker, weiterentwickelt – der anders als das Geburtendefizit eben nicht per Bevölkerungspyramide quasi vorgezeichnete, flexiblere Faktor Zuwanderung. Zwischen 1990 und 2024 lag das Wanderungssaldo aus Aus- und Zuwanderung im Schnitt bei 356.000 Menschen pro Jahr. Dass 2025 indes bei der Wanderung ein Ausrutscher war, wird von Wirtschaftsinstituten wie empirica und DIW Berlin jedoch bezweifelt. Sie bringen den negativen Wanderungstrend in direkten Zusammenhang mit der negativen Konjunkturentwicklung,

Bevölkerungsschrumpfung plus schwache Wirtschaft und Arbeitsmarkt ergibt einen unguten Cocktail

Während Deutschland aktuell noch darüber debattiert, ob die Deutschen womöglich keine Lust zu arbeiten haben, schreiben viele Firmen aufgrund der schwierigen konjunkturellen Lage nur wenig neue Stellen aus und bauen Stellen ab. Aus Sicht von empirica verstärkt der Rückgang bei den Neueinstellungen gerade den Trend zu weniger Zuwanderung.

Dass arbeitsmarktorientierte Zuwanderung in ein wirtschaftlich kriselndes Land stockt, ist wenig verwunderlich – und dieser Effekt ist aus Sicht des Instituts womöglich noch entscheidender als der 2025 natürlich ebenfalls deutlich zu Buche schlagende Rückgang bei den Asylsuchenden, der womöglich weniger an der jüngsten Verschärfung der Asylpolitik liegt als an der deutlich gesunkenen Zahl von Neuankömmlingen aus Syrien.

Gleichzeitig kommen weniger Studierende neu ins Land und auch die Fachkräftezuwanderung nimmt ab – für die Konjunktur und die Sozialsysteme hat das einen Teufelskreiseffekt. Und wenn keine Fachkräfte mehr kommen, eben weil die Wirtschaft wegen zu weniger Fachkräfte stockt, dann wird es langsam, aber sicher wirklich knifflig.

Demografie als Mutter aller Probleme?

Das DIW Berlin geht mittlerweile so weit, die Demografie (und nicht, wie weiland Horst Seehofer, die Migration) zur Mutter aller Probleme zu erklären. So erklärte Institutsleiter Marcel Fratzscher unlängst gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass der deutsche Wachstumsmotor trotz aller aktuellen Vorsätze und Bemühungen der Politik „nie wieder anspringen“ werde – da das Arbeitskräftereservoir nicht mehr ausreiche, sei eine Rückkehr zu den Wachstumsraten der Vergangenheit unmöglich.

Dieser Pessimismus scheint wenig zielführend, doch ist er natürlich nicht willkürlich aus der Luft gegriffen, sondern wird längst von wichtigen internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds geteilt, der Deutschlands langfristiges Potenzialwachstum auf nicht mehr als durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr beziffert.

Aufgrund dieses Befunds werden längst gesellschaftliche Debatten zu grundlegenden Reformen und Wegen zur Produktivitätssteigerung gesucht. Gerade in dem für unser Interessenfeld vor allem bestimmenden Bau-Umfeld sehen Expertinnen und Experten vor allem in Ansätzen wie KI, Automatisierung, Serialität, Modul- und Systembau Möglichkeiten, die Effizienz trotz niedriger Kapazitäten zu steigern („Megatrends am Bau“).

Trotzdem bleibt festzuhalten: Ohne (Fachkräfte-)Zuwanderung wird auch das nicht gelingen. Schließlich hat das vorige Jahrzehnt gerade erst gezeigt, dass Demografietrends nicht unumkehrbar sind, sondern zumindest gemildert werden können. Es muss daher nicht nur alles dafür getan werden, die vorhandene Produktivität zu steigern – sondern auch die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Deutschland (und natürlich vor allem die deutsche Bauwirtschaft) als Standort wieder besonders attraktiv für Arbeitsmigration wird.

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