By: Alexander Faust
Nachhaltigkeit
Energieeffizienz gehört in Ein- und Zweifamilienhäusern bis zu einem gewissen Grad zu den Mindestanforderungen gemäß geltender GEG-Regulierung. Darüber hinausgehende Nachhaltigkeitskriterien werden in der Praxis nicht zuletzt angestrebt, um die Förderung für KfW-Effizienzstandard 40 zu erhalten. Doch im Ein- und Zweifamilienhausbau sind Mängel und Fehler an der Tagesordnung – und zwar direkt zulasten von Effizienz und Nachhaltigkeit. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Bauforschung (IFB). Der Bauherrenschutzbund (BSB), der die Studie als Auftraggeber initiiert hat, macht daher darauf aufmerksam, dass zu wirklich nachhaltigem Bauen mehr als die verbauten Materialien und haustechnischen Lösungen gehören – sondern vor allem eine unabhängige baubegleitende Qualitätskontrolle. Die Top 10 der häufigsten Baumängel mit Einfluss auf die Gebäudeumweltbilanz finden Sie im folgenden Artikel.
Der Artikel kurz zusammengefasst:
Die Hälfte der untersuchten Neubauten wiesen Fehler und Mängel bei der Wärmedämmung auf. Auch die Unterlagen und damit der Nachweis der tatsächlichen Effizienz buw. Nachhaltigkeit des Gebäudes waren in jedem zweiten Fall lückenhaft. Wärmebrücken und Feuchteschäden minderten die Effizienz in vielen Fällen, neben handwerklichen Mängeln auch durch unzureichende bauphysikalische Konzepte. Die Anlagentechnik ist in mindestens jedem fünften Fall ebenfalls mängelbehaftet.
Fast jedes zweite Projekt weist fehlerhafte Wärmedämmung auf
Für die Studie hat das IFB 100 baubegleitenden Qualitätskontrollen durch Bauherrenberaterinnen und -berater des BSB ausgewertet und dabei die häufigsten Mängel identifiziert, die sich negativ auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit auswirken. Am häufigsten gab es Fehler und Mängel bei der Wärmedämmung (in 47 von 100 Bauvorhaben)! Bei genauerer Prüfung fielen etwa Abweichungen beim Material auf (abweichende Dämmstoffart, Wärmeleitstufe, Schichtdicke o. ä.), aber auch mangelhafte Befestigungen, Fehlstellen und Wärmebrücken. Nachhaltig ist eine so installierte Isolierung in keinem Fall – egal, ob erhöhter Heizbedarf oder Feuchteschäden und Schimmelpilzbefall drohen.
Fast ebenso oft sind die Unterlagen unvollständig
In ebenfalls fast jedem zweiten Projekt (46 Prozent) fehlten Unterlagen wie Nachweise und Planungsunterlagen, sodass überhaupt nicht überprüft werden konnte, ob die Bauausführung überhaupt die Forderungen der Planung erfüllt. Das kann bei Bemessungsungenauigkeiten bei der tragenden Konstruktion etwa dazu führen, dass es zu statischen Problemen kommt.
Wärmebrücken und Feuchteschäden
Bauteile der luftdichten Ebene (also das Dach oder die Obergeschossdecke) sind sehr häufig mängelbehaftet (40 Prozent), ähnlich wie Fenster und Fenstertüren (34 Prozent). Neben Zug und Temperaturverlusten führen diese Probleme zu Feuchtefolgeschäden, deren Behebung in 27 Prozent der untersuchten Gebäude zu wenig Effizienz führte.
Bauphysik in jedem vierten Gebäude nicht gut geplant
Grundlegende bauphysikalische Mängel waren in jedem vierten Bauvorhaben festzustellen (Wärmebrücken, aber auch ein nicht mitgeplanter bzw. gebauter sommerlicher Wärmeschutz fällt hier negativ zu Buche. Aber auch die Anlagentechnik war in bis zu jedem fünften Projekt fehlerhaft installiert und stellte so Nachhaltigkeit und Effizienz des Neubaus infrage (man denke an Fehler bei Heizung, Wärmepumpen, Photovoltaik, Lüftung oder Innenraumhygiene). Die gute Nachricht ist immerhin: Bei den Fördermittelanträgen oder der Vertragsgestaltung waren fast alle untersuchten Projekte makellos.

