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Polnische Bauwirtschaft: Infrastrukturmaßnahmen weiter im Aufwind

Die Lage hat sich seit dem 24. Februar 2022 weltweit verdüstert – auch in unserem Nachbarland Polen haben sich die Wirtschaftsaussichten verändert. Für die Bauwirtschaft in Polen sorgen aber nach wie vor umfangreiche Investitionsvorhaben z. B. in die Verkehrsinfrastruktur oder die Abfallentsorgung in für volle Auftragsbücher. Auch der angepeilte Abschied von der Kohlekraft dürfte der polnischen Bauwirtschaft erheblich zu tun geben. Dafür sorgen nicht zuletzt 160 Milliarden Euro an EU-Mitteln, die die EU-Kommission Polen insgesamt aus dem europäischen Wiederaufbaufonds bis 2024 bewilligt hat.

Wie die Germany Trade And Invest (GTAI) berichtet, verteilen sich die (einschließlich Landwirtschaft) bewilligten 160 Milliarden Euro auf 125 Milliarden Euro als Zuschüsse und 35 Milliarden Euro als vergünstigte Kredite.

Allein aus dem Fonds zum Wiederaufbau nach der Coronakrise soll Polen 58,1 Milliarden Euro erhalten, darunter 23,9 Milliarden Euro als Zuschüsse. Der EU-Fonds Infrastruktur, Klima, Umwelt sieht für Polen im Zeitraum 2021 bis 2027 vorläufig über 25 Milliarden Euro vor, darunter für den Transportsektor 14,5 Milliarden Euro und davon für Umgehungs- und Schnellstraßen 6,5 Milliarden Euro.

Umfangreiche Straßenbauarbeiten stehen an …
Das Netz von Autobahnen und Schnellstraßen soll sich 2021 um 386 Kilometer vergrößern (2020: +138 Kilometer). Ende 2020 umfasste es 4.269 Kilometer. Die Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen GDDKiA kann 2021 rund 4,2 Milliarden Euro ausgeben. Die A1 von Gdańsk (Danzig) bis an die tschechische Grenze soll ab dem 2. Halbjahr 2022 durchgehend befahrbar sein. Bei einem Großteil ihres südlichen Teilstücks wird sie bis Ende 2021 dreispurig ausgebaut. Im Herbst 2021 startet eine Ausschreibung zur Verbreiterung der A2 zwischen Łódź (Lodsch) und Warschau. Die A18 von Dolny Śląsk (Niederschlesien) in Richtung Cottbus, Berlin soll 2023 fertig sein. Im 1. Halbjahr 2021 unterzeichnete die GDDKiA 24 Verträge über 330 Kilometer Landstraßen für 2,5 Milliarden Euro und zehn Umgehungsstraßen für 0,3 Milliarden Euro. Zur Jahresmitte 2021 befanden sich 128 Projekte mit einer Länge von insgesamt knapp 1.600 Kilometer im Bau oder in der Planung.

… aber auch Investitionen in Schiene, Startbahn und Wasserwege
Die für das Schienennetz zuständige PKP Polskie Linie Kolejowe S.A. will 2021 Ausschreibungen im Wert von etwa 2,7 Milliarden Euro tätigen, vor allem im 2. Halbjahr. Gleisanlagen und Bahnhöfe werden modernisiert, erweitert oder neu gebaut. Laut GUS wurden 5.222 neue Gebäude für Transport und Kommunikation im Jahr 2020 übergeben (+3,0 Prozent).

Der im Landeszentrum geplante Großflughafen, Centralny Port Komunikacyjny (CPK), soll bis 2034 schrittweise an zwölf neu zu bauende Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von 1.789 Kilometern angeschlossen werden. Die vorgesehene Bauzeit des Flughafens selbst dauert von 2023 bis 2027. Die Gesamtausgaben für den CPK von bis zu 7,7 Milliarden Euro fließen zu 3,5 bis 4,2 Milliarden Euro in den Flughafen, rund 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro in die Bahnlinien und 1,5 Milliarden Euro in die Straßenanbindung.

Die drei Meereshäfen Szczecin-Świnoujście (Stettin-Swinemünde), Gdynia (Gdingen) und Gdańsk bauen ihre Container-Kapazitäten und Kaianlagen unter anderem für Fährschiffe aus. Sie erhalten eine bessere Schienenanbindung, was auch dem Intermodalverkehr Auftrieb gibt.
Der durch die Frische Nehrung (Mierzeja Wiślana) gebaute 1,3 Kilometer lange und 5 Meter tiefe Kanal soll ab 2022 schiffbar sein. Die Bauarbeiten dauern noch bis 2023 an. Die Investitionen in die Abwasserbehandlung und Frischwasserversorgung sanken 2020 laut GUS auf 310,8 Millionen Euro (2019: 330,9 Millionen Euro, auf Złoty-Basis nominal -2,9 Prozent). Im 1. Quartal 2021 schrumpften sie um 4,4 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2020 auf (206,1 Mio. Zl) 45,1 Millionen Euro.

… aber auch Investitionen in Schiene, Startbahn und Wasserwege
Die Aufwendungen der Abfallwirtschaft sanken 2020 auf 228,2 Millionen Euro (2019: 276,8 Millionen Euro, auf Zloty-Basis nominal -14,8 Prozent), stiegen im 1. Quartal 2021 aber wieder um 13,7 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2020 auf 50,4 Millionen Euro. Laut dem Verein für die Erde (Towarzystwo na rzecz Ziemi, TnZ) gibt es landesweit 103 Vorschläge oder Vorhaben zum Bau von Müllverbrennungsanlagen (MVA) unterschiedlicher Größe. Mitunter werden Kessel in Kohlekraftwerken gegen solche ausgetauscht, die Abfälle verbrennen.

Für Polen ist es ein immenser Kraftakt, sich von der Kohle als Brennstoff zur Energieerzeugung zu verabschieden. Als Übergangslösung entstehen Gaskraft- und -Heizwerke sowie ein Atomkraftwerk. Die Gas-Pipelines und LNG-Kapazitäten bei den Häfen werden ausgebaut. Offshore-Windparks sind geplant, die Sonnenenergie wird verstärkt genutzt, und mehr Biogasanlagen werden errichtet, künftig auch Biomethan-Installationen.