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Lieferketten und Verarbeiter ohne Manpower? Corona und die Prozesse am Bau

Die Situation während der Coronapandemie ändert sich nahezu stündlich. Auch wenn es unter diesen Umständen mittlerweile schwer geworden ist präzise Vorhersagen zu treffen, sind jedoch nicht alle wirtschaftlichen Mechanismen aufgehoben. Zum Ungemach vieler börsennotierter Hersteller aus der Bau- und Installationsbranche, denn ihre Kursgewinne der vergangenen Jahre haben sich aktuell größtenteils in Rauch aufgelöst. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Unternehmen jetzt automatisch in eine massive Schieflage rutschen – denn noch stehen alle Baustellen hierzulande nicht still. Etwas anders dürfte sich die Gesamtsituation auf die kleineren Handwerksbetriebe auswirken, wenn die restriktiven Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz weiter ausgeweitet werden. So könnten einige (Klein-)Unternehmen dazu gezwungen werden, an ihre Reserven zu gehen, wenn ihre Mitarbeiter mehrere Monate nicht mehr auf die Baustelle kommen können oder sich der Baubetrieb auf Grund von gestörten Lieferketten kaum aufrechterhalten lässt.

Die Kurse der börsennotierten Hersteller aus der Bau- und Installationsbrache sind durch den Absturz des deutschen Leitindexes (DAX) ebenfalls teilweise deutlich in Mittleidenschaft gezogen wurden. Wie heftig die Coronakrise den deutschen Aktienmarkt durchschüttelt, zeigt ein einfacher Blick zurück auf die DAX-Kurse von Mitte Februar: Lagen die Kurse Mitte Februar noch im Schnitt deutlich über 13.500 Punkten, so vegetiert der Dax mittlerweile bei 8.500 Zählern vor sich hin– ein Absturz von 37 Prozent.

Auch wenn dies nur eine Momentaufnahme ist, sind die Börsenwerte der an den Börsen dotierten Hersteller aus der Bau und Installationsbranche nachhaltig getroffen worden. Verglichen mit dem letzten Handelstag im Februar – an dem in Deutschland erstmals fast 50 mit dem Virus infizierte Personen registriert worden sind – haben die Kurse der meisten Hersteller aktuell (17.03.2020) deutlich nachgegeben, wie eine Auswahl von bekannten Unternehmen zeigt: Heidelberg Zement (-35,6 Prozent), LafargeHolcim Ltd. (-30,5 Prozent), Saint-Gobain S.A. (-37,5 Prozent), Villeroy & Boch AG (-24,1 Prozent), Wienerberger AG (-39,5 Prozent).

Dies ist zwar eine ungemütliche Situation für die Unternehmen und ihre Anleger, dennoch bedeuten diese Kurseinbrüche nicht, dass die Unternehmen in Schieflage geraten sind. Vielmehr haben sich wohl „nur“ die anvisierten Dividenden für die Aktionäre in Luft aufgelöst und die Unternehmenswerte an der Börse sind in Mitleidenschaft geraten. Unter realwirtschaftlichen Gesichtspunkten sind die oben als Beispiel angeführte Unternehmen an sich gesund und durch den Bauboom der vergangen Jahre größtenteils ausgelastet.

Ein weiters Indiz dafür, dass viele Hersteller aus der Bau- und Installationsbranche die aktuelle Lage nicht ganz so panikhaft beurteilen wie andere Wirtschaftszweige (z. B. Tourismus, Luftfahrt, Non-Food-Einzelhandel oder Automotive) findet sich in der jüngsten Konjunkturumfrage des ifo-Instituts. So spürt gerade mal ein Drittel der baunahen herstellenden Unternehmen aus den Bereichen Glas und Glaswaren, Keramik sowie Verarbeitung von Steinen und Erden negative Auswirkungen aufgrund der Coronapandemie.

Bei einigen kleineren Verarbeiterbetrieben könnte es bald schnell eng werden
Auch wenn die Pandemie im günstigsten Fall verkraftbare Auswirkungen auf die 2020er Baukonjunktur haben wird, könnte es auf Seiten der verarbeitenden Betriebe teilweise schneller eng werden als ihnen lieb ist. So anzunehmen, dass einigen Betrieben aufgrund von Quarantänemaßnahmen oder Kinderbetreuungsgründen jetzt schon die Manpower abhandengekommen ist. Das Resultat wäre die verzögerte Fertigstellung von Projekten.

Sollte die Coronakrise jedoch über ein halber Jahr anhalten, könnten alle sich heute noch in der Pipeline befindenden Aufträge irgendwann einmal abgearbeitet sein und neue Aufträge ausbleiben. Im schlimmsten Fall könnte die Zahl der Insolvenzen am Bau ansteigen. Somit würde dies zusammengenommen wie ein verzögerter Nachfrageschock von Seiten der verarbeitenden Betriebe wirken – ähnlich dem, was die Tourismusbranche gerade erlebt.

Im ungünstigsten Fall würde dies mit einem verzögerten Angebotsschock von Seiten der Hersteller zusammentreffen: Es besteht durchaus die Gefahr, dass in ein paar Monaten einige der eingespielten Lieferketten abbrechen könnten. Dies gilt auch für Bauprodukte, die nicht direkt auch chinesische Vorprodukte angewiesen sind, da auch hierzulande bestimmt einige rein europäische Lieferketten ausfallen werden. Aktuell dürften jedoch die meisten Lagerstände der Hersteller aus der Bau- und Installationsbranche ausreichend voll sein, so dass es kurzfristig keine Mangelversorgung mit Bauprodukten geben wird.

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Publiziert im März 2020