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Marketing aus Sicht von: Klaus Weiss

Zum ersten Mal erscheint unser BauInfoConsult Quartalsperspektiven im Druck. Hier lesen Sie vorab aus dieser Ausgabe zum Thema „Business Intelligence am Bau“ einen Beitrag von Klaus Weiss, seit 2001 verantwortlich für Marketing & PR beim Mönchengladbacher Spezialisten für Türbänder Dr. Hahn: Er hat uns verraten, was Marketing für ihn bedeutet und welche besonderen Herausforderungen es für das Marketing gerade am Bau gibt.
1.    Was bedeutet Marketing für Sie?

Für mich ist Markting immer zukunftsorientiert. Darum bedeutet es für mich, das Unternehmen oder seine Funktionsbereiche aktuell so aufzustellen, dass man auf künftige Entwicklungen vorbereitet ist und daran positiv teilhaben kann.

2.    Was sind die größten Chancen und Risiken für die kommenden Jahre?

Irgendjemand hat einmal gesagt: „Wir dürfen nicht versuchen die Komplexität zu reduzieren, sondern müssen daran arbeiten, sie zu beherrschen.” Dies ist meines Erachtens die größte Herausforderung in unserem Markt. Die Erwartungen werden immer spezieller und die Lösungen immer individueller. Darin stecken Chancen und Risiken gleichermaßen.

3.     Was steht derzeit bei Ihrer eigenen Marketingstrategie im Mittelpunkt und warum?

Auch, wenn ich gerne eine kreativere Antwort geben würde, aber die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, der Ausbau der Datenverfügbarkeit stehen auf der Agenda schon länger an oberster Position. Dazu gehören die Erstellung der für interne und externe Zwecke erforderlichen Informationen und die Möglichkleit, diese zeitnah und mit einem vertretbaren Aufwand nutzen zu können. Getrieben werden unsere Arbeiten unter anderem auch durch Anforderungen, die sich aus BIM ergeben.

4.      Was war bisher Ihre größte Herausforderung im Marketing und was haben Sie daraus gelernt?

Die Einführung einer Online-Plattform, mit der der Baubeschlag-Fachhandel in die Lage vesetzt werden sollte, seinen Kunden seine Produkte jenseits der branchenfremden Portale anbieten zu können. Das Ziel war, dem Handel die Preis-, Sortiments- und Datenhoheit in eigenen Händen zu belassen. Das Projekt ist gescheitert, weil die notwendige Bereitschaft, diesen neuen Vertriebsweg zu gehen, weder auf Industrie- noch auf Handelsseite ausreichend vorhanden war. Heute, in Corona-Zeiten, mit einem gigantisch gestiegenem Umsatz über Online-Shops, wäre dieser neue Ansatz mit offenen Armen aufgenommen worden. Hier zeigt sich wieder einmal, dass man mit einer Entwicklung auch zu früh sein kann.

5.     Nennen Sie bitte ein inspirierendes Beispiel für Marketing im Bauwesen außerhalb Ihres eigenen Unternehmens.

Manch einer wird sich wundern, aber ich sehe die Arbeit der Messegesellschaften mit großem Respekt. Wie es der Messe Nürnberg gelungen ist, im letzten Jahrzehnt neue Kundengruppen zu gewinnen, ist bemerkenswert. Dabei haben die Verantwortlichen ihre Gedanken mit den Ausstellern frühzeitig geteilt und waren flexibel genug, die Wünsche ihrer Kunden zu berücksichtigen. Auch die Messe München, die aktuell in einer schwierigen Situation ist, macht derzeit vieles richtig. Eine Kampagne zu starten, bei der Aussteller sich auch in schwierigen Zeiten zur Bau 2021 bekennen, ist eine sehr gelungene Maßnahme, die noch breiter und intensiver kommuniziert werden könnte.

6.     Was ist Ihr goldener Marketing-Tipp für 2020?

„Geist schlägt Materie” – Versuchen Sie innovative Wege zu finden, die mit geringen Mitteln große Wirkung im Markt entfalten. Sie werden verblüfft sein, wieviel kreatives Potenzial in Ihrer Mannschaft steckt, dass ansonsten von einem üppigen Budget erstickt wird.

7.     In der nächsten Ausgabe wird in dieser Rubrik ein anderer Marketingprofi aus der Branche zu Wort kommen. Was möchten Sie ihn oder sie fragen und warum?

Welches war das inspirierendste Fachbuch, dass Sie in den letzten zwei Jahren gelesen haben? Der Grund: Es gibt zu wenig Marketing-Literatur, die zu neuem Denken anregt und zu viel alten Wein in neuen Schläuchen.

8.     Nun zu einer themenbezogenen Frage. Diese Ausgabe der „Quartalsperspektiven“ widmet sich dem Thema Business Intelligence. Bei welchen Herausforderungen, mit denen die Bauwirtschaft derzeit konfrontiert ist, könnte Business Intelligence aus Ihrer Sicht einen positiven Beitrag leisten und wie?

Dort, wo vorher ein Programmierer eine Woche an einer Auswertung gearbeitet hat, werden jetzt die Daten mit einem Mausklick in optisch ansprechender Weise ausgeworfen. Es lassen sich Zusammenhänge aggregieren, die einen Blick in die untersten Ebenen der Datenstrukturen ermöglichen. Wer Daten, Zeit und Kommunikation in seinen Bauprojekten schon jetzt perfekt im Griff hat, für den ist BI verzichtbar. Alle anderen können sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

9.     Abschließend noch die „Kollegenfrage“ für Sie mit der Bitte um eine Stellungnahme: Menno Beek, Marketer bei einem niederländischen Farbhersteller (Koninklijke Van Wijhe Verf) fragt sich: Der Bausektor steht allgemein vor der großen Herausforderung, nachhaltiger zu werden. Zu viele Unternehmen geben dabei vor, „grüner” zu sein, als sie sind. Marketing spielt dabei eine wichtige Rolle. Welchen Beitrag leisten Sie im Marketing zu diesem Thema in Ihrem Unternehmen und wie arbeiten Sie mit anderen Abteilungen zusammen?

Wir arbeiten hier auf zwei Ebenen. Da sind zum einen die Maßnahmen, die intern durchgeführt werden. So sparen wir beispielsweise etliche Tonnen Papier, indem gedruckte Anleitungen durch einen QR-Code ersetzt werden und die Informationen 24/7 an jedem Ort sofort verfügbar sind. Auch wenn es in vielen Fällen teurer ist, so drucken wir Verkaufsunterlagen nur noch on demand. So verhindern wir, dass Teilauflagen vernichtet werden müssen. Aluminium-Späne werden seit Jahrzehnten gesammelt und dem Recycling zugeführt. Abluft der Bearbeitungsmaschinen wird zur Beheizung der Hallen genutzt und die Emulsionen sind in einem geschlossenen Kreislauf. Verbesserungsvorschläge werden in einem Gremium diskutiert und deren Umsetzung kontrolliert.

Auf der anderen Ebene unterstützen wir Recycling-Aktivitäten der Branche, wie den A/U/F, finanziell und ideell und kommunizieren unsere Ergebnisse. Die Bedeutung des Themas bei Dr. Hahn kann man daran sehen, dass die Antwort auf diese Frage die Längste dieses Interviews ist.

Der Autor:

Klaus Weiss verantwortet seit zwei Jahrzehnten Marketing & PR beim Mönchengladbacher Spezialisten für Türbänder Dr. Hahn. Sein Aufgabengebiet beinhaltet neben der internen und externen Kommunikation auch den Ausbau der Online-Aktivitäten des Unternehmens. Für seine verschiedenen Maßnahmen wurde Dr. Hahn in der Vergangenheit vielfach ausgezeichnet, z. B. mit dem German Brand Award und dem Marketingpreis beste digitale Kundeninformation des Vff –Verband Fenster und Fassade.

Das Unternehmen
Dr. Hahn – Türbänder. Made in Germany

Innovationen, hochwertige Qualitätsprodukte rund um das Bauteil Tür und ein hoher Anspruch an die eigenen Serviceleistungen kennzeichnen die Entwicklung des Türband-Herstellers Dr. Hahn GmbH & Co. KG. Das mittelständische Unternehmen hat sich mit einer hochwertigen Produktpalette rund um die Tür unter der Marke Dr. Hahn international einen Namen gemacht. Neben ganz Europa zählen heute auch Asien und Amerika zu den Absatzmärkten der Dr. Hahn GmbH & Co. KG. Das Unternehmen gilt als Innovationsführer in seinem Marktsegment.