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Energetische Gebäudesanierung: nochmals 11,5 Milliarden Fördergeldendspurt im vierten Quartal

Bei Subventionen für Baumaßnahmen gilt erfahrungsgemäß das simple Prinzip: Viel hilft viel (und wenig eben wenig). Ganz getreu diesem Motto sind die massiv erhöhten Anreize für mehr Gebäudesanierung 2020 und 2021 auf ein großes Echo gestoßen – was den Gesetzgeber nun dazu veranlasst, noch eine Schippe draufzulegen: Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie meldet, stellt die öffentliche Hand für die restlichen Monate von 2021 nochmals insgesamt 11,5 Milliarden Euro für die energetische Gebäudesanierung zur Verfügung. Insgesamt rechnet das Ministerium für 2021 mit Bewilligungen im Wert von 15 bis 18 Milliarden Euro. 

Die Förderanträge können im Rahmen der erfolgreichen Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) gestellt werden. Neben den Fördermaßnahmen, die sich insbesondere an das Zielpublikum Häuslebauer und private Renovierer richten, weurden für 2022 1 Milliarde Euro für den klimagerechten sozialen Wohnungsbau bereitgestellt, d. h. um energetisch hochwertige Sozialwohnungen neu zu bauen oder bestehende Sozialwohnungen energetisch saniert werden. 

2020 und 2021: die Förderung wird gerne angenommen

Rund 11,3 Millionen Heizungsanlagen im Bestand sind nach Schätzung des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie BDH veraltet. Durch ihre Ersetzung bis 2030 könnten nach BDH-Schätzung bereits 70 Prozent der bis 2030 zu erzielenden CO2-Einsparung erzielt werden. Gerade beim Thema Heizung profitiert der Markt derzeit weniger von drakonischen Zwangsmaßnahmen, sondern von der 2020 ins Leben gerufenen massiven Ausweitung der Förderangebote. Wie das Wirtschaftsministerium meldet, wurden bis Mitte September 2021 10,6 Milliarden Euro an Fördergeldern bewilligt, die neben Komplettsanierungen (inklusive Dämmmaßnahmen) nicht nur, aber eben zu großen Teilen auch im Bereich Heizung zum Einsatz gekommen sind.

Bereits zu Beginn des Jahres 2020 wurden die Fördersätze für die von der KfW durchgeführten Programme im Bereich „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ erhöht und auch die Förderung von energieeffizienten Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien beim BAFA erweitert. Gleichzeitig wurde die Ölaustauschprämie im Rahmen des Marktanreizprogramms integriert. Diese Änderungen haben in 2020 zu einer Investitionswelle im Gebäudesektor geführt und die Inanspruchnahme der Gebäudeförderung stark erhöht. Diese Rekordabrufe halten laut Ministeriumsangaben auch in 2021 an:

Wie das Wirtschaftsministerium meldet, hat sich die Summe der Anträge bereits 2020 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt – von 326.000 in 2019 auf 600.000, getrieben sowohl durch die Entwicklung im Bereich der Wärmeerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien als auch bei energieeffizienten Neubauten und energetischen Einzelmaßnahmen und Komplettsanierungen. Die im Jahr 2020 zugesagten Fördermittel haben sich gegenüber 2019 nahezu verfünffacht (von 1,82 auf 8,56 Milliarden Euro).

Die Summe der Anträge auf Förderung von Heizsystemen auf Basis erneuerbarer Energien, die durch die Ölheizungsaustauschprämie besonders angereizt wurde, wie Wärmepumpen, Biomasse- und Solarthermieanlagen, stieg von 76.000 im Jahr 2019 auf 280.000 im Jahr 2020. Dieser Trend hat sich in 2021 fortgesetzt. Hier wurden bis Mitte September in allen Gebäudeförderprogrammen des BMWi bereits Anträge mit einem Fördervolumen von 10,6 Mrd. Euro bewilligt.

Bereits 2020 kann man die Ergebnisse dieses Förderbooms an der erhobenen Effizienzstruktur im Heizungsanlagenbestand wiederfinden. Waren 2015 noch 67 Prozent des Heizungsbestands energetisch unzureichend ausgestattet, waren es 2020 noch 53 Prozent. Dennoch sind nur 21 Prozent der aktuell installierten Anlagen auf dem neuesten Stand der Technik und nutzen zugleich erneuerbare Energien, wie die ca. 1,1 Millionen Wärmepumpen im Bestand, die knappe Million Biomassekessel sowie die rund 2,5 Millionen Gas- und Ölbrennwertkessel in Kombination mit einer solarthermischen Anlage.