Home » Nachrichten » E-Commerce im Elektrohandwerk: Europäischer Großhandel verliert an Boden

E-Commerce im Elektrohandwerk: Europäischer Großhandel verliert an Boden

Der Online-Handel hat in Zeiten eingeschränkter Kontakte Konjunktur. Das gilt auch bei Fachbestellungen für die Baustelle. Doch schon vor Corona hat sich der E-Commerce im Bestellvolumen der Elektrohandwerker einen nicht unbeträchtlichen Anteil gesichert – auf Kosten der traditionellen Großhändler. Doch im Großen und Ganzen bleibt der Elektrofachhandel weiterhin der wichtigste Bezugspunkt für die Installateure. Das zeigen Ergebnisse einer Untersuchung zum Elektro-Einkaufsverhalten in Europa, die zu Jahresbeginn unter 950 Elektroinstallateuren erhoben wurde.   

Wie die Studie zeigt, sollte der Elektrofachhandel sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen , sondern die Veränderungen der Marktbedingungen im Auge behalten: Dazu gehört der Aufstieg der Online-Händler, den die jüngsten Studienergebnisse nochmals eindrucksvoll unterstreichen: Demnach hat dieser Kanal bereits einen festen Stand gewonnen. Allerdings gibt es innerhalb Europas nach wie vor unterschiedliche Einkaufsmentalitäten im Elektrohandwerk.

Die Wettbewerber aus dem Netz sind nicht überall gleich stark

Der B2B-Elektrogroßhandel muss verstärkt mit reinen Online-Kanälen konkurrieren, die auf herkömmliche Ladenlokale verzichten und den Elektrobedarf der Handwerker ausschließlich online verkaufen. Wie die Studienergebnisse zeigen, gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern:

Das von einer stark traditionsverhafteten Handwerkskultur geprägte Frankreich wird einmal mehr zum gallischen Dorf des digitalen Zeitalters. Hier kauft nur jeder fünfte Installateur (22 Prozent) bei Online-Händlern. Am anderen Ende der Skala stehen ihre britischen Kollegen, bei denen es kaum Online-Einkaufsberührungsängste gibt (76 Prozent der Installateure kaufen online). Die deutschen Elektrohandwerker befinden sich mit einem Anteil von 55 Prozent Online-Käufern im Mittelfeld.

Die Vorteile der Online-Händler: schnell, schnell und billig, billig?

Wenn man nach den Gründen fragt, warum die Handwerker per Mausklick einkaufen, werden vor allem die üblichen Verdächtigen genannt: der günstigere Preis und die erhoffte schnellere Lieferung. Aber auch für Spezialbedarf, den der lokale Händler nicht unbedingt sofort auf Lager hat, findet sich im Netz immer irgendein Anbieter, der lieferfähig ist. Gerade bei Lieferung und Lagerhaltung werden die traditionellen Händler und die wendigen Online-Wettbewerber versuchen, sich gegenseitig zu überbieten. Und die Elektrohandwerks-Kundschaft profitiert von diesem Effizienzsteigerungs-Wettstreit der Handelskanäle als lachender Dritter.  

Die gute Nachricht für den Großhandel: Loyalität bleibt eine starke Währung

Die Kundenbindung zum traditionellen Fachhandel ist aber weiterhin stark. Das macht den Großhandel weiterhin zum wichtigsten Kanal. In allen in der Befragung berücksichtigten Ländern wird die Loyalität zu ihren Partnern im Handel immer wieder von den online-abstinenten Befragten als Grund dafür angeführt, warum sie auf Bestellungen bei Online-Anbietern weitgehend verzichten. In Frankreich und Belgien sind fast drei von vier Elektrohandwerkern derart kompromisslos loyal zum Offline-Handel, in den anderen Ländern changieren die Anteile der Webshop-Muffel zwischen 20 und 40 Prozent.

Die Handwerksbetriebe mit einer solchen Einkaufskultur bilden das solide Stammkundenrückgrat des alteingewurzelten Fachhandels – einerseits. Denn simplen Verlockungen wie einem billigeren Preis dürften diese Firmen widerstehen, da sie eher bestrebt sind die von ihnen geschätzten Fachhandelsstrukturen durch ihre Kundenloyalität weiter zu erhalten. Andererseits gibt es aber auch die nicht geringe Gruppe der Handwerker, die den Einkauf eher pragmatisch sehen – und die flexibel genug sind ihre bisherigen Einkaufsgewohnheiten von heute auf morgen zu ändern.

Über die Studie

BauInfoConsult ist ein auf die Bau- und Installationsbranche spezialisiertes Marktforschungsinstitut. Die Studie Europäischer Elektroinstallationsmonitor der USP Marketing Consultancy-Gruppe, zu der auch BauInfoConsult gehört, erscheint viermal im Jahr. Für die Untersuchung werden jährlich ca. 4.000 Elektroinstallateure aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Polen befragt.

Die aktuelle Ausgabe Q4 2019 mit dem Themenschwerpunkt „Online-Einkaufsverhalten bei Elektroinstallateuren“ kann für 1.750 € über BauInfoConsult bezogen werden. Mehr Informationen erhalten Sie von Alexander Faust und Christian Packwitz unter 0211 301 559-10 oder per E-Mail an info@bauinfoconsult.de.