Analyse: warum sich der Trend zu DIFM umgekehrt hat und DIY wieder zulegt

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Wer Reparaturen oder Verschönerungsarbeiten im eigenen Zuhause beabsichtigt, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder selbst als Heimwerker tätig werden („Do It Yourself“, kurz: DIY) – oder jemanden damit beauftragen („Do It For Me“, kurz: DIFM). Fast ein Jahrzehnt war der europäische Heimwerkermarkt von einem stetigen Zuwachs der DIFM-Aufträge und einem Rückgang der klassischen DIY geprägt. In letzter Zeit hat sich der Trend umgekehrt und immer mehr europäische Haushalte packen in bester DIY-Manier selbst an. Wie kommt es zu dieser Wende? Eine aktuelle Studie von USP zur europaweiten Entwicklung zeigt: Die Auswirkungen der Pandemie und die aktuellen Konjunkturprobleme dafür verantwortlich zu machen, greift entscheiden zu kurz. Vielmehr spielen mehrere Faktoren zusammen.

Viele der jüngsten Veränderungen auf dem Heimwerkermarkt können in der Tat auf Auswirkungen der Pandemie auf das Verhalten der europäischen Haushalte zurückgeführt werden. Man denke nur an den von unserem Schwesterunternehmen USP in elf Ländern gemessenen drastischen Anstieg der Heimwerkerprojekte in den Jahren 2020 und 2021. An den Effekten von Corona allein kann es jedoch nicht liegen, das sich der zuvor weitgehend von DIFM-Aufträgen geprägte europäische Markt für Modernisierungs- und Heimwerkerarbeiten immer mehr zurück zum klassischen DIY-Ansatz entwickelt. Hier helfen die Ergebnisse der Studie „European Home Improvement Monitor“ von USP Marketing Consultancy beim Verständnis weiter.

Fakt ist: Der Trend kehrte sich schon vor COVID um

Seit 2014 misst die Erhebung das Verhältnis zwischen Do-it-yourself- (DIY) und Do-it-for-me-Arbeiten (DIFM) auf dem europäischen Heimwerkermarkt. Früher gab es einen langsamen und stetigen Trend zu mehr DIFM und damit einen allmählichen Rückgang des Anteils von DIY-Tätigkeit durch die Verbraucher selbst. Es gibt mehrere Gründe für diesen Trend, aber vor allem die Demografie spielte eine große Rolle.

Ganz simpel: Durch die Alterung der Bevölkerung sind viele Personen nicht mehr in der Lage, die Heimwerkerarbeiten zu erledigen, die sie früher selbst erledigt haben. Währenddessen zeigte die jüngere Generation von Verbrauchern im Durchschnitt weniger Interesse am Heimwerken, was zu einem Nettorückgang der Heimwerker-Arbeiten in Eigenregie und einem Anstieg von DIFM-Auftragsvergaben ans Profihandwerk führte. Zumal die europäische Marktsituation dem immer noch entgegenkam: Der Arbeits- und Fachkräftemangel hatte sich noch nicht so akut verschärft, was DIFM in vielen Ländern zu einer gut realisierbaren und obendrein erschwinglichen Option machte.

Wie die Ergebnisse zeigen, erreichte der Anteil der DIFM-Auftragsvergaben jedoch im Jahr 2018 seinen Höchststand, danach begann er zu sinken. Seitdem ist der Anteil der DIY-„Muskelhypothek“ stetig gewachsen und weitet sich immer noch aus. Es ist wichtig festzuhalten, dass dies schon 2018 und 2019 zu beobachten war – also vor der Pandemie in Europa. Daher kann die Coronakrise nicht als Ursache für die Trendumkehr weg von DIFM herhalten.

Die COVID-Lockdowns dürften jedoch als Katalysator gewirkt haben

Aber auch, wenn die Pandemie wohl nicht die Ursache war, wissen wir doch aus den USP-Messungen während der Corona-Jahre, dass sie einen großen Einfluss auf den Heimwerkermarkt hatte. Mehr Verbraucher waren aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen an ihr Zuhause gebunden und konnten kein Geld für Ausgehen oder Urlaub ausgeben. Das bedeutet, dass sie mehr Anreiz, Zeit und Budget hatten, um Heimwerkerarbeiten durchzuführen.

Das Ergebnis war ein Anstieg der Heimwerkerarbeiten auf dem europäischen Markt. Außerdem haben viele Menschen, die sonst nicht selbst Heimwerkerarbeiten erledigen würden, während der Pandemie damit angefangen, einige Heimwerkerarbeiten zu erledigen und so offenbar auch vermehrt Geschmack daran gefunden: Denn auf diese Weise sammelten sie Erfahrungen, schöpften Selbstvertrauen und erlebten vielleicht auch Freude und Stolz daraus, die Herausforderung  selbst gemeistert zu haben..

Wir wissen aus den Daten, dass es eine starke Korrelation zwischen dem Grad der Heimwerkererfahrung und der Wahrscheinlichkeit gibt, dass eine Person Heimwerkerarbeiten selbst erledigt, anstatt sie auszulagern. Die Chancen stehen gut, dass Menschen, die während der Pandemie mit dem Heimwerken begonnen haben, dies auch weiterhin getan haben. Kurzum: Auch, wenn die Pandemie die Verlagerung hin zu mehr Heimwerken nicht allein verursacht hat, hat sie doch als Katalysator für diesen Trend gewirkt.

Der Fachkräftemangel ist der Schlüsselfaktor

Wenn also COVID nicht dazu geführt hat, dass der DIFM-Trend einbrach, woran lag es dann? Der Hauptgrund dafür ist, dass der Arbeits- und Fachkräftemangel im Bau- und Modernisierungssektor bereits in den Jahren vor der Pandemie immer dringlicher geworden war, was zu höheren Arbeitskosten bei den Handwerksbetrieben führte. Dies führte dazu, dass Verbraucher Heimwerkerarbeiten zunehmend selbst erledigten, wodurch Arbeitskosten gespart und stattdessen in Materialien investiert werden konnte. Das galt auch für die ältere Generation von erfahrenen Heimwerkern, die länger als erwartet lieber selbst tätig wurden.

An unserem letzten Datenpunkt aus der Langezeitbefragung (Ende 2022), erkennen wir, dass der Trend zu mehr DIY immer noch anhält. Unterdessen ist der Arbeitskräftemangel ein noch größeres Problem als vor der Pandemie, und die Inflation und die hohen Materialkosten haben die Verbraucher noch budgetbewusster als zuvor gemacht. Deshalb erwarten wir, dass die Verbraucher weiterhin Arbeitskosten einsparen wollen werden. Das bedeutet, dass sich der Trend zu mehr DIY zumindest in den kommenden Jahren fortsetzen wird, bis der demografische Faktor in Europa wieder aufholt und die Arbeitsmärkte für Fachkräfte sich wieder entspannt haben.

Für einen vollständigen Überblick über die Trends und Entwicklungen auf dem Heimwerkermarkt in 11 europäischen Ländern inklusive der DA-Märkte, Skandinavien, UK, Süd- und Westeuropa nehmen Sie bitte Kontakt mit Margareta Kocijančić auf – unter margareta.kocijancic@bauinfoconsult.de bzw. telefonisch unter + 49 151 19664699 – die Sie mit allen Eigenschaften der Studie gerne vertraut macht.

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