Demografietrends: Großstädte wachsen, doch Familien wandern zunehmend ab

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In einer neuen Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) werden die demografischen Entwicklungstrends in deutschen Großstädten herausgestellt. Dabei stellt sich heraus: Im vergangenen Jahrzehnt ist die Bevölkerung in Deutschlands Großstädte um rund 7 Prozent gewachsen. Auch altern die Großstädte nicht so stark wie der deutsche Durchschnitt – nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Zuwanderung. Doch gleichzeitig wird der Binnenwanderungstrend ins Umland immer stärker – vor allem bei größeren Haushalten bzw. Familien.

Der Artikel kurz zusammengefasst

Die Bevölkerung hat in 55 untersuchten Großstädten binnen 10 Jahren zugewonnen. Das liegt an Zugewinnen aus dem Ausland, aber auch am Zuzug kleinerer und jüngerer Haushalte. Familien und größere Haushaltsformen weichen jedoch zunehmend aus den Städten ins Umland aus. Dadurch erhöht sich der Druck auf die urbanen Wohnungsmärkte günstigen Wohnraum für die überwiegend jungen Kleinhaushalte zur Verfügung zu stellen – während in den „Speckgürteln“ der Städte Wohnraum für Familien zunehmend stark nachgefragt werden.

Bevölkerungswachstum in den größten und den südlichen Großstädten

Auf Basis von detaillierten, kleinräumigen Daten aus 55 teilnehmenden deutschen Großstädten hat das BBSR die Entwicklung von 55 deutschen Großstädten zwischen 2011 und 2021 untersucht und leitet daraus demografische und soziale Entwicklungstrends für den urbanen Raum ab.

Zunächst lassen die Daten des Instituts erkennen, dass in den untersuchten Großstädten 2021 insgesamt 7 Prozent mehr Menschen lebten als noch 2011. Was in diesem Zeitraum geschehen ist, liegt angesichts der niedrigen Geburtenrate auf der Hand: Vor allem Zuzüge führten zu dem Mehr an Menschen innerhalb der Stadtgrenzen. Dabei war in allen Städten auch ein deutlicher Zustrom an Zuwanderern aus dem Ausland zu erkennen (und die jüngste Zuwanderungswelle seit Ausbruch des Ukrainekrieges 2022 ist wohlgemerkt noch nicht mit eingerechnet).

Im Einzelnen sind die unterschiedlichen Städte natürlich unterschiedlich stark gewachsen. Laut BBSR legten vor allem größere Städte mit über 600.000 Einwohnern deutlich zu (im Schnitt: 9,5 Prozent binnen zehn Jahren). Auch der wohlhabende Süden ist unter den stärksten Zuzugs-Städten auch mit einigen Großstädten mittlerer Größe am deutlichsten vertreten (so etwa in Augsburg, Fürth und Ingolstadt mit je über 10 Prozent Zunahme).

Altersstruktur und Zusammensetzung der Bevölkerung

Dass die deutsche Bevölkerung im letzten Jahrzehnt weiter gealtert ist, ist längst keine aufsehenerregende Schlagzeile mehr. Bemerkenswerter ist allerdings, dass die deutschen Großstädte laut BBSR-Analyse von diesem langjährigen Trend deutlich weniger betroffen waren (doch was heißt das schon im demografischen Wandel: die über 85-Jährigen in den Städten legten trotzdem noch um 30 Prozent zu). Deutlich zugenommen hat in den Städten aber auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen (in den ostdeutschen Städten aus der Studienstichprobe sogar um 29 Prozent).

Der Alterung in den Großstädten hat nicht zuletzt auch die verstärkte Zuwanderung aus dem Ausland entgegengewirkt. Insgesamt hat jede fünfte Person in den 55 Großstädten im Schnitt keine deutsche Staatsangehörigkeit – wobei es hier natürlich im Einzelnen große Unterschiede gibt, etwa zwischen Städten mit besonders hohem Bevölkerungsanteil ohne deutschen Pass wie Offenbach am Main, Frankfurt am Main, Ludwigshafen oder München auf der einen und Städte mit vergleichsweise geringen Anteilen nichtdeutscher Passinhaberinnen und -inhaber wie Rostock, Dresden oder Chemnitz.

Wenig verallgemeinern lässt sich über alle Großstädte hinweg der Arbeitslosenanteil bzw. die Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, die innerhalb der 55 Städte stark variieren. Wenig überraschend hängt diese von dem Wohlstand in der Regionen ab: So sind süddeutsche Städte beispielsweise weitaus weniger betroffen als die teilnehmenden Städte im Ruhrgebiet.

Generell hat sich die soziale Ungleichheit in den teilnehmenden Städten laut BBS-Analyse im Untersuchungszeitraum allerdings verstärkt: Das betrifft insbesondere „abgehängte“ Stadtteile mit hohen Anteilen an SGB II-Beziehern („Harz 4“), in denen überdurchschnittlich viele Alleinerziehende sowie Haushalte mit fünf und mehr Personen leben und in denen es inzwischen Kinder und Jugendlichen in Bedarfsgemeinschaften mit Anteilen von bis zu 60 Prozent gibt.

Binnenwanderung und Folgen für die Wohnungsmärkte

Die generelle Haushaltsgrößenentwicklung ist in den Großstädten geteilt: So stieg in den zehn Jahren der Betrachtung vor allem die Zahl der Einpersonenhaushalte auf der einen Seite und die der Haushalte ab fünf Personen an. Zudem verloren die meisten Städte durch Binnenwanderung Bevölkerung an das direkte Umland der Städte, wobei vor allem viele Familien zu den Abwanderern gehörten.

Damit bestätigt die Studie durch unsere hier vom Immobilien- und Baumarkt natürlich stark gefärbte Brille nochmals nachdrücklich die erkennbaren Trends zwar nicht zur Landflucht, doch zur (nicht zuletzt durch die Immobilienpreisspitzen im städtischen Eigentumssektor) gestiegenen Tendenz zur Flucht der Familien in die Vorstädte. In den innerstädtischen Lagen konzentriert sich laut der äußerst kleinräumigen Datenanalyse der Studie die Nachfrage bei überwiegend jungen Einzelhaushalten, während größere Haushaltsformen und ältere Bewohnerinnen und Bewohner überwiegend an den Stadträndern angesiedelt sind.

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