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Megatrends 2035: Was auf das Bauhandwerk zukommt

02 Feb

By: Alexander Faust

Pressemitteilungen / Trends

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Düsseldorf, 02.02.2026: Die Bauwirtschaft agiert in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld – und soll dabei noch eine Transformation leisten. Szenarien, wie das gelingen kann und welche Entwicklungen, Chancen und Schwierigkeiten für die Branche bevorstehen, entwirft eine Studie zu den Megatrends am Bau bis 2035. Dabei zeigt sich: Zumindest in den ersten Jahren des Betrachtungszeitraums wird von Experten eine verhaltene Konjunktur erwartet. Gleichzeitig steht die Branche vor großen Bauaufgaben – und muss mit dem demografischen Wandel zurechtkommen, dessen Folgen das Bauhandwerk zunehmend selbst betreffen, sprich: Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Alterung der Belegschaft. Echte Chancen für das Handwerk bietet laut Studie vor allem die Umstellung auf innovative Bauansätze und die Bereitschaft zu einer grundlegenden digitalen Transformation der Unternehmensprozesse.

 Ausgangslage: Baubedarf hoch, Produktivität gering – und Rahmenbedingungen schwierig

Egal ob Tiefbau (Bahn, Straße, Leitungsbau), Hochbau (Wohnungsengpässe) oder Bestandsbau (Klimaneutralität bis 2045/50) – der Bedarf ist überall dringend, auch wenn die Auftraggeberseite bislang zögerlich agiert. Die Produktivität im Bausektor ist allerdings eher in mittleren Bahnen unterwegs und droht in den nächsten Jahren mangels Arbeitskräftereservoir tendenziell zu schrumpfen.

Gleichzeitig erfordert die digitale, strukturelle und nachhaltige Transformation der Bauwirtschaft umfangreiche Investitionen in neue Prozesse, Methoden und Materialien. Die immense Innovationsleistung, die von den Unternehmen der Branche unter diesen Umständen erbracht werden muss, fällt somit ausgerechnet in eine schwierige Phase, die mutmaßlich noch einige Jahre von wirtschaftlicher Schwäche geprägt sein könnte. Wie können Handwerksunternehmen diese Umstände erfolgreich meistern? Die im Rahmen der Studie befragten Experten sehen vor allem die nachhaltige und digitale Transformation als unausweichlichen Megatrend für die Branche.

Kreislaufwirtschaftliche Bauansätze machen das Bauen effizienter

Kreislaufwirtschaftliche Bauansätze haben besonders gute Startbedingungen, da sich Bauen im Bestand, Urban Mining und modulare oder serielle Ansätze sowie Gebäudesensorik kombinieren lassen und so Klimavorgaben und das Bedürfnis nach einer Effizienzsteigerung der Bauprozesse zugleich erfüllen können.

Die Baustoffindustrie wird durch Einbindung von Materialien aus Urban Mining-Beständen in ihre Produktionsprozesse teilweise unabhängiger von Rohstoffverfügbarkeiten. Auch bei der verarbeitenden Seite dürfte die Transformation der Bauwirtschaft zu einem zirkularen Geschäftsmodell im Zeitraum bis 2035 voranschreiten. Die derzeitige Reaktionstendenzen gegen Nachhaltigkeitsmodelle werden von dem Expertenpanel als Rückzugsgefechte gewertet, die bis 2035 hinter uns liegen werden.

Modulares Bauen wird zulegen – aber nicht unbedingt als Geschäftsmodell für das Handwerk

Durch die Vereinfachung und Vereinheitlichung von Typenbaugenehmigungen dürfte das modulare Bauen bis 2035 wesentlich an Fahrt gewinnen, nicht zuletzt in Kombination mit schlüsselfertigen Bauleistungen. Für das Gros der kleineren Unternehmen im Bauhandwerk dürfte sich dieses Geschäftsmodell aber weniger eignen.

Systemisches und serielles Bauen als Erfolgsroute für das Handwerk

Für kleinere Einheiten im Bauhandwerk lohnend wäre vor allem die kooperative Einbindung in systemische und serielle Bau- und vor allem Sanierungsansätze, zumal hier lokale Netzwerke und Beschaffungskreisläufe eine große Rolle spielen dürften. Die Baustellenlogistik dürfte aus Sicht der Experten schon in 10 Jahren auf kooperativen Modelle auf Basis einer digitalen, modellbasierten Planung beruhen, die den kreislaufwirtschaftlichen Ansatz mit einschließt: Das bedeutet wiederum eine engmaschige Kooperation von Planung, lokal agierenden Bau- und Handwerksfirmen sowie (regionalen) Rohstofflieferanten.

Konzentrationsprouzesse und demografischer Wandel als Hebel für die (digitale) Transformation

Im Baugewerbe dürfte es aus Sicht unserer Experten zu deutlichen Konzentrationsprozessen kommen, wobei die Tendenz, die bereits in den letzten Jahren zu erkennen war, sich beschleunigen dürfte: Mehr Betriebe geben auf oder gehen zusammen – tendenziell wird also das dünne obere Ende des Bauhauptgewerbes größer, während der Mittelstand von ca. 9.000 Firmen zwischen 20 und 199 Beschäftigten durch Konzentrationsprozesse kleiner wird.

Auch aus der Masse der kleinen Betriebe (ca. 74.000 im Bauhauptgewerbe und nochmals über 200.000 kleinen Betriebe in den Gewerken des Ausbauhandwerks) werden sicher einige Firmen wegfallen oder durch Zusammenschlüsse in die nächstgrößere „Liga“ wechseln. Wie radikal die erwartete Schrumpfkur im Baugewerbe ausfallen wird, hängt vor allem davon ab, wie gut es den kleineren Unternehmen gelingen wird, sich den neuen Anforderungen an das Baugeschäft anzupassen.

Nun haben Kleinunternehmen und kleinere Mittelständler durch ihre größere Flexibilität auch einen gewissen Wettbewerbsvorteil, da es ihnen grundsätzlich mit weniger Aufwand möglich ist, ihre Arbeitsprozesse und Arbeitsfelder umzustellen. Das betrifft z. B. die Einstellung auf eine zirkulare Bauweise, bei der mit Materialien aus dem Rückbau gearbeitet wird, aber auch andere Arten der Spezialisierung auf Nischen, die von den größeren Anbietern übriggelassen werden.

Der Wandel zu Spezialisierung und Schrumpfung der Firmen wird aus Expertensicht auch ein weiterer Hebel für die Digitalisierung, die über KI-basierte administrative Prozesse sozusagen in die menschliche Lücke treten muss und durch automatisierte und z. T. sogar autonome Lösungen die Personalausfälle auffängt.

Zauberwort Diversifizierung

Ohne Diversifizierung wird es für die kleineren Unternehmenseinheiten mit weniger als 10 Millionen Umsatz im Jahr schwieriger, sich mit Bauleistungen, die ihren Kapazitäten entsprechen, gegen schlüsselfertige Lösungen der größeren Generalunternehmen im Wettbewerb zu behaupten, die auf Robotik, KI-unterstütztem Projektmanagement und Vorfertigungsanwendungen basieren werden.

Während die Kleinstunternehmen sich spezialisieren oder in größere, regional organisierte Bauteamzusammenhänge mit anderen lokalen Akteuren einreihen, so der Entwurf aus den Expertenschätzungen, bewegen sich Mittelständler künftig eher als Anbieter von systemischen oder schlüsselfertigen Lösungsansätzen auf dem Markt, wenn sie die dafür nötigen Investitionen aufbringen.

Ihre künftigen Marktchancen sind durch die von den neuen Technologien und Baumethoden erwarteten Produktivitätsgewinne deutlich, zumal auch erste Start-Ups auf Basis digitaler Bauansätze den Markt betreten und Wege für neue Geschäftsmodelle anzeigen.

Die mittelgroßen Betriebe haben für ein gros der Aufträge aus Expertensicht wenig Konkurrenz von den großen „Frachtern“ der Branche zu erwarten, auch wenn diese sich bereits aktuell als Trendsetter für serialisierte und modulare schlüsselfertige Lösungen in Szene setzen. Denn auch die Bauindustrie-Branchenriesen im Hochbau sind letztendlich Bauunternehmen, die sich bei ihren Projekten am regionalen Umkreis ihrer Standorte orientieren und ohnehin meist erst bei Projektgrößen ab einer gewissen Millionenhöhe aktiv werden.

In der Breite gibt es nach wie vor einen sehr großen regionalen Markt, den die Mittelständler und Bauhandwerker vor Ort als lokale Champions abdecken können. Wobei der Trend zum Systembau es keinesfalls ausschließt, dass größere Baukonzerne doch „durch die Hintertür“ in diesen Projekten eine wesentlich stärkere Rolle spielen könnten als heute, nämlich als Systemgeber, die von ihnen entwickelte Modular- oder Serialbauansätze weitergeben oder ggf. gegen Gebühr lizensieren.

Über die Untersuchung

Die zitierten Ergebnisse stammen aus der BauInfoConsult-Studie „Megatrends am Bau 2035“. Durch quantitative Ergebnisse aus über 1.500 Interviews wurden die qualitativen Forschungsergebnisse auf Basis von Experteninterviews zu den perspektiven und Szenarios für die Baupraxis im Jahr 2035 erweitert und erhalten. Die Studie entwirft ein Bild für das Jahr 2035,

  • wie sich die Baunachfrage und die Baukapazität bis 2035 entwickeln wird,
  • mit welchen Baumaterialien und Baumethoden 2035 gebaut wird,
  • welche Rolle Digitalisierung, KI und technologische Innovationen spielen und
  • inwiefern industrialisierte und neue logistische Verfahren das Bauen verändern könnten,
  • wie der Stellenwert des barrierefreien Bauens sein wird,
  • wie sich die demografischen, technologischen Veränderungen und Nachhaltigkeits-Anforderungen auf die Rolle und die Geschäftsmodelle der Akteure am Bau auswirken werden.

Für diesen Bericht wurde eine Reihe von eingehenden Interviews mit einem Expertengremium durchgeführt. Dieses Gremium besteht aus Experten aus der oder mit Bezug zur Baubranche (z. B. Forschung und Entwicklung, Projektbegleitung, Hersteller, Architektur, Wirtschaftsforschung, Consulting und Trendbeobachtung). „Megatrends am Bau“ kann für 1.250 € zzgl. MwSt. bei BauInfoConsult bezogen werden.

Über BauInfoConsult

BauInfoConsult ist ein auf die Bau-, Installations- und Immobilienbranche spezialisiertes Unternehmen. Wir analysieren laufend Marktdaten und Informationen zur deutschen Baubranche und erstellen auf Grundlage eigener Markterhebungen Analysen und Prognosen zu aktuellen Bautrends und Entwicklungen, die als Grundlage für Ihre marktrelevanten Entscheidungen herangezogen werden können. Um immer einen Überblick über aktuelle Marktentwicklungen zu haben, können Sie sich auf www.bauinfoconsult.de für unseren kostenlosen Newsletter einschreiben.

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